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Vom Amt zur GmbH: Wie sich das anfühlt und worauf man achten muss

Interview mit Petra Schröder, Prokuristin, Leiterin Kaufmännische Services bei der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH

Die Interviewerin: Sibylle Frank, Partnerin bei Heldenstreich, Agentur für Employer Branding und Marketing

Frau Schröder, wie lange sind Sie schon in einer Führungsposition?

In der Staatsbad GmbH bin ich seit 15 Jahren Führungskraft. Dabei wollte ich früher nie länger als drei Jahre in einem Unternehmen bleiben.

Was waren am Anfang Ihre Herausforderungen im Unternehmen?

Die Staatsbad Bad Kissingen GmbH war früher ein staatlicher Betrieb, inzwischen sind wir ein privatrechtliches Unternehmen. Und dieser Übergang musste bewältigt werden. Alte Strukturen und Denkweisen waren aufzubrechen. Der Ehrgeiz selbständig zu arbeiten, war früher weniger ausgeprägt. Ich hatte am Anfang vieles abzuzeichnen und abzustempeln, das kannte ich so nicht.

Die einzelnen Mitarbeiter waren wenig miteinander vernetzt, Teamarbeit war auch noch nicht so wichtig wie heute.

Am Anfang dachte ich: Das schaffst du nie. Aber inzwischen hat sich alles geändert. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hinzugekommen. Und die Jungen wollen sowieso frei arbeiten, sie wollen gestalten. Natürlich brauchen gerade Menschen mit wenig Erfahrung einen Rahmen, aber den bekommen sie hier.

Sie haben mal gesagt erwähnt, dass Sie irgendwann mit der Art, wie Sie geführt haben, nicht mehr glücklich waren. Was genau hat Sie gestört? Was machen Sie inzwischen anders?

Ich war früher sehr stringent, habe viel selbst gemacht. Außerdem komme ich aus dem Norden, da ist man direkter als hier in Franken. Und dann bin ich auch noch Prokuristin, so ein Titel kann bei anderen auch Hemmungen aufbauen. All das hat dazu geführt, dass ich das Gefühl hatte, ich bin zu weit weg von den Mitarbeitern. Ich wollte näher dran sein; außerdem Verantwortung abgeben, denn es ist natürlich belastend, wenn man für alles selbst zuständig ist.

Und dann wollte ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch individuell fördern, wollte mehr Miteinander. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, besser meine Grenzen zu setzen, also wo halse ich mir selbst wieder etwas auf oder wo kann ich doch abgeben. Das wollen die jungen Leute ja auch – mehr Verantwortung.

Ich habe dann angefangen, Kleinigkeiten zu ändern. Ich gehe jeden Morgen durchs Haus und wünsche Guten Morgen, ich spreche auch mal über Privates …
Das Schöne ist: Wenn man länger als Führungskraft in einem Unternehmen ist, kann man Entwicklungen miterleben. Und man hat Raum, sich auch selbst weiterzuentwickeln.

Welche Eigenschaften sollten Führungskräfte Ihrer Ansicht nach unbedingt haben? Und was genau macht gute Führung aus? Oder anders gefragt: Was ist ein wichtiger Rat, den Sie sich als Führungskraft selbst geben?

Man sollte nicht erwarten, dass jemand perfekt ist. Chancen geben – das ist wichtig. Und dann erst mal gucken, was passiert. Ich finde auch wichtig, dass man als Führungskraft keinen Neid produziert. Es gibt im Menschen einfach die Angst, dass einem jemand etwas wegnimmt. Damit sollte man sensibel umgehen.

Gibt es Erlebnisse oder Begegnungen, die Ihr Führungsverhalten nachhaltig geprägt haben?

Ich habe zwei Kinder. Und mit ihnen habe ich mich sehr weiterentwickelt. Ich kann sagen, dass ich von meinen Kindern mehr gelernt habe als in jedem Coaching.

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Kriterien, die einen Job für Menschen attraktiv machen, in den letzten Jahren verändert haben?

Ja. Heute ist den Menschen ihr Gestaltungsspielraum viel wichtiger als früher. Viele wünschen sich zum Beispiel Homeoffice-Möglichkeiten. Oder sie möchten einfach nach Hause gehen können, wenn alles erledigt ist.

Es ist ja in vielen Bereichen nicht einfach, Mitarbeiter zu bekommen. Womit locken Sie die Leute?

Das ist je nach Gegenüber und Bereich höchst unterschiedlich. Zum Beispiel wird in der Hotellerie oft bis nachts gearbeitet. Aber bei uns ist meist um 21 Uhr Schluss. Das ist also ein gutes Argument. Oder nehmen wir die Controller: Oft werden sie als Zahlenknechte eingesetzt. Das ist bei uns nicht so; sie haben ein breites Aufgabenfeld und können viel gestalten.

Grundsätzlich haben wir ein vielfältiges Angebot und wer sich entwickeln will, hat viele Möglichkeiten dazu. Wichtig ist, dass man von Anfang an ehrlich und authentisch ist und nichts verspricht, was man später nicht halten kann.

Wir haben manchmal die Schwierigkeit, dass wir als Arbeitgeber wenig bekannt sind. Man weiß einfach wenig über uns. Aber wenn man die Bayer. Staatsbad GmbH dann kennenlernt, dann haben wir gewonnen: Unter den Kollegen ist eine sehr gute Stimmung. Bad Kissingen ist ein Ort, der sich für Familien gut eignet, die Schuldichte ist hoch, die Lebenshaltungskosten niedrig …

Wie laufen die Vorstellungsgespräche ab?

Es gibt individuell natürlich sehr große Unterschiede, was den Bewerbern wichtig ist. Für einige ist der sichere Job alles, andere kommen frisch von der FH und wollen schnell Karriere machen. Und wieder andere stellen neugierig viele Fragen zum Unternehmen.
Insgesamt fällt mir auf, dass wenig gefragt wird, zum Beispiel auch nicht nach dem Team. Das lernen die Leute dann im zweiten Gespräch bei einem Schnuppertag kennen und das kommt sehr gut an. Aber von sich aus fragen die Bewerber nicht danach. Wenn überhaupt, wird nach Weiterentwicklung gefragt, auch in finanzieller Hinsicht.

Eine letzte Frage: Immer wieder hört man, Frauen verdienen weniger, weil sie in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender sind. Wie erleben Sie das?

Das kann ich nicht bestätigen. Frauen verhandeln nicht schlechter, es ist immer eine individuelle Frage. Und bei uns machen wir grundsätzlich keinen Unterschied.


Liebe Frau Schröder, vielen Dank für diese Einblicke

Hier geht’s zum Projekt „Employer Branding für die Staatsbad Bad Kissingen GmbH“.

CategoriesAllgemein

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