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Was Menschen heute von ihrer Arbeit wirklich erwarten

Interview mit Martin Dittrich, HR Businesspartner bei der BASF Coatings GmbH in Würzburg
Im Interview geht es um Personalarbeit, die Wahrheit hinter Stereoptypen und darum, was Menschen von ihrer Arbeit wirklich erwarten.

Die Interviewerin: Sibylle Frank, Partnerin bei Heldenstreich, Agentur für Employer Branding und Marketing
(Foto: farbenundlack.de)

Wie kamen Sie darauf, Personaler zu werden?

Für mich war das ein Prozess des Herausfindens. Ich habe Sozialwissenschaften studiert, in der Gastronomie gejobbt, im Vertriebsinnendienst gearbeitet und schließlich Internationales Management mit Schwerpunkt Personalwesen studiert. Nach einem Praktikum bei BASF Coatings hat man mir angeboten, dort fest einzusteigen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Und was mögen Sie weniger gern?

Oft haben Personaler einen negativen Ruf und werden, vielleicht aus einem antiquierten Verständnis heraus, als interne Polizei gesehen. Wir verstehen uns bei BASF nicht so. Und ich sehe mich als Partner der Führungskräfte und Mitarbeitervertreter – 60 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich mit Gesprächen. Dabei finde ich es wichtig, für jeden die passende Kommunikationsart zu finden, Empathie ist also gefragt. Auch mal aus der Sicht des Gegenübers auf die Sache zu blicken, das sagt sich so leicht. Aber es dann wirklich zu tun, besonders im Konflikt, das ist spannend und herausfordernd. Entscheidend ist auch das Wissen über unser Geschäft und darüber, wie wir uns weiterentwickeln wollen. Personalentscheidungen haben da einen wichtigen Einfluss.

Wobei ich natürlich auch steuern muss. Ich achte auf die Umsetzung von Regeln oder und interpretiere sie auch mal anders, wenn sie nicht mehr zur Realität passen. Und naturgemäß gibt es in einem Konzern mehr formalisierte Regeln als in kleineren Betrieben. Auf den Punkt gebracht sehe ich das so: Regeln geben Sicherheit. Aber man muss auch davon abweichen können.

Was denken Sie: Was macht ein Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv?

In den Vorstellungsgesprächen wird oft nach der Teamstruktur gefragt. Ich denke, dass die Leute ihr künftiger sozialer Rang interessiert. Außerdem möchten sie wissen, welche individuellen Möglichkeiten, welche Entwicklungsperspektiven sie haben.

Als Unternehmen kann man übrigens nach wie vor einen guten Eindruck machen, wenn man schnell auf eine Bewerbung antwortet: Bekomme ich eine Standard-E-Mail? Oder werde ich vielleicht sogar angerufen? Das nehmen die Leute zur Kenntnis.

Gibt es Ihrer Einschätzung nach etwas, was Unternehmen gegenüber Mitarbeitern auf keinen Fall tun sollten?

Augenhöhe ist den Menschen wichtig. Wenn man Arroganz an den Tag legt, wird es schwierig.

Wovor haben neue Mitarbeiter Ihrer Einschätzung nach in der Regel die meiste Angst beim Antritt ihrer neuen Arbeit? Und wie sollte das Unternehmen darauf reagieren?

Ich erlebe weniger Angst, sondern eher Euphorie. Aber doch – es gibt eine Zurückhaltung, Fragen an das Unternehmen zu stellen. Ich denke, die Leute haben die Grundhaltung: „Das müsste ich doch eigentlich wissen, dazu stelle ich mal lieber keine Frage.“

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Kriterien, die einen Job für Menschen attraktiv machen, in den letzten Jahren verändert haben?

Ja. Der Wunsch nach Sicherheit ist wieder deutlicher spürbar. Besonders bei Bewerbern zwischen 20 und 25. Gleichzeitig sind die Leute weniger bereit, umzuziehen. Der Arbeitsmarkt gibt das ja auch her. Und doch müssen die Menschen sich schneller auf Veränderungen einstellen können, die Zyklen werden schneller, es wirkt alles viel schnelllebiger als früher.

Was sagen Sie zur vielbeschworenen Teamfähigkeit?

Also, das ist doch wirklich eine grundlegende Voraussetzung. Ich kenne niemanden, der nicht teamfähig ist. Der eine ist es mehr, der andere weniger. Darüber muss man nicht extra sprechen.

Welche Rolle spielt Ihrer Erfahrung nach das Geld? Hat sich diese im Lauf der letzten Jahre verändert? Wenn ja, inwiefern?

Meine Erfahrung ist: Geld ist ein Hygienefaktor. Ich kann eine Aufgabe nicht übernehmen, wenn das Geld nicht reicht. Auch wenn ich es gerne mache. Aber der Anreiz „mehr Geld“ ist zu kurz gedacht. Man kommt vielleicht wegen Geld, aber man bleibt aus anderen Gründen. Der Effekt einer Gehaltserhöhung verpufft innerhalb kurzer Zeit. Man hat sich an den Status quo gewöhnt, dann sind andere Kriterien wichtig.

Und zwar diese:
Die Menschen möchten Verantwortung übernehmen, mitgestalten und gesehen werden. Das ist es, was die Menschen erfüllt.

Noch eine Frage, die micht persönlich umtreibt: Stimmt es Ihrer Erfahrung nach, dass Frauen in Gehaltsgesprächen schlechter verhandeln und deswegen weniger verdienen?

Kurz vorneweg: Bei BASF haben wir Vergütungsgrundsätze und Systeme, die geschlechtsunabhängig sind. Und zu den Verhandlungen: Nein, ich erlebe Frauen in den Verhandlungen nicht als zurückhaltender, ich sehe keinen Unterschied. Wobei Männer häufiger die Gerechtigkeitsfrage stellen. Sie beschweren sich wesentlich öfter darüber, dass ihrer Ansicht nach etwas ungerecht läuft. Und Frauen haben Atmosphäre und Umfeld häufiger im Fokus. Es ist ihnen, so meine Erfahrung, wichtiger, dass sie sich wohlfühlen.


Vielen Dank, Herr Dittrich, für diese Einblicke.
Hier geht’s zum Projekt „Neues Arbeitgeber-Image – BASF Coatings GmbH in Würzburg“.

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